NEITHARD BETHKE
 KOMPONIST

ORATORIEN UND MESSEN

Oratorientrilogie

Media vita in morte sumus | Christus natus est |
Crucifixus est

Für die Komposition der Oratorientrilogie, bestehend aus „Media vita in morte sumus“ op. 23 zum Totensonntag, „Christus natus est hodie“ op. 24 zum Christfest und „Crucifixus est pro nobis“ op. 25 zum Karfreitag suchte der Komponist folgende selbst gestellte Aufgaben zu erfüllen:

1) Die hörende Gemeinde sollte aktiv beim Musizieren eingebunden werden, durch Singen ebenso wie durch Gebet. So ist der Gemeinde bei op. 23 der Choral „Mitten wir im Leben sind vom Tod umgeben“ zugeordnet. Bei op. 24 ist es das bekannte Weihnachtslied „Es ist ein Ros‘ entsprungen“. Bei op. 25 schließlich singt die Gemeinde den Choral „Herr Jesu, deine Angst und Pein“ und betet während eines vom Chor gesungenen Vaterunsers im Sprechton zusammen mit den Solisten ebenfalls das Vaterunser.

2) Auch der Kinderchor sollte ihm gemäß mit einem „Geistlichen Volkslied“ vertreten sein. Bei op. 23 ist es „Es ist ein Schnitter, der heißt Tod“, bei op. 24 „Zu Bethlehem geboren“ und bei op. 25 „Hohes, heilges Marterbild“.

3) Mittelalterliche Gregorianik sollte richtungsweisendes, überzeitliches Element des chorischen Bestandteiles sein. Ausgewählt wurden die Antiphon „Media vita in morte sumus“ für op. 23, die Sequenz „Christus natus est“ für op. 24 und aus dem zweiten gregorianischen Messcredo das „Crucifixus etiam pro nobis“ für op. 25.

4) Den Vokalsolisten sollte – getragen von instrumentaler, farbiger und charakterisierender Begleitung – der jeweils die Komposition prägende Bibeltext zugeordnet werden: der Psalm 90 für op. 23, die Weihnachtsgeschichte in op. 24 und die Passionsgeschichte in op. 25.

5) Schließlich sollte – und das ist der Schlüssel zum Ganzen – der Chor durch ausgewählte Textstellen der Heiligen Schrift den Psalm 90 bei op. 23 und die beiden Evangelientexte bei op. 24 und 25 in eine neue Beziehung setzen. So erklingen in voll beabsichtigter Korrespondenz in op. 23 Worte der Apokalypse, in op. 24 der Johannesprolog und in op. 25 ausgesuchte Christusworte aus dem Matthäus- und Lukas-Evangelium. Ganz bewußt wird das Passionsgeschehen mit dem Ausblick auf Ostern fortgeführt und durch die Auferstehung Jesu dessen Passion schlagartig in ein neues Licht gerückt.


Media vita in morte sumus
op. 23/1973
Oratorium zum Totensonntag für vier Soli, Chor, Kinderchor, Gemeindegesang, Orgel, Schlagwerk, Klavier und großes Orchester
EM 995 | ISMN 979-0-2007-3344-0


Christus natus est hodie
op. 24/1974
Oratorium zur Weihnachtszeit für vier Soli, Chor, Kinderchor, Gemeindegesang, Orgel, Schlagwerk, Klavier und großes Orchester
EM 994 | ISMN 979-0-2007-3348-8


Crucifixus est pro nobis
op. 25/1975
Oratorium zum Karfreitag für vier Soli, Chor, Kinderchor, Sprecher, Gemeindegesang, Orgel, Schlagwerk, Klavier und großes Orchester
EM 992 | ISMN 979-0-2007-3439-3


Ratzeburger Chormusiken I

Die in den Jahren 1979 und 1980 komponierten und erstaufgeführten “Ratzeburger Chormusiken I“ enthalten vier oratorisch geprägte größere Chorwerke, die sowohl in einem besonderen liturgischen Rahmen als auch konzertant aufgeführt werden können. Vokalsolisten, Chor, Orgel und Orchester (bei Aufführungen im liturgischem Rahmen auch ein Liturg) sind notwendig, um diese farbenreichen Partituren klanglich umzusetzen. Der Komponist hat hier die Form der traditionell überlieferten Kantate längst verlassen und stößt zu neuen Dimensionen und Gestaltungsabläufen vor, die sich eigenständig nach dem jeweiligen verschiedenen Anlaß ausrichten.



Credo-Vespergesang
op. 32/1979
Neufassung 2010 als Oratorium über die mittelalterlichen Credo-Bildtafeln des Ratzeburger Kreuzganges, für vier Soli, Chor, Orgel und Orchester
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Der 1979 zur Wiedereinweihung mittelalterlicher Wandgemälde im Kreuzgang des Ratzeburger Doms geschriebene Credo-Vespergesang wurde von Bethke 2010 noch einmal überarbeitet und zu einem 75-minütigen Oratorium erweitert. Anlaß dazu waren neue kritische Untersuchungen zu den Wandmalereien, die zu neuen Ergebnissen führten, welche besonders die abgebildeten Texte betreffen. Wesentliche Erkenntnisse  des  Domprobstes em. Uwe Steffen flossen ein.
Das Credo wurde, wie oft bei Musik des Mittelalters und des Frühbarocks, zweisprachig deutsch und lateinisch, verschiedenen Gruppen übertragen. Die erklärenden Bibelzitate der Propheten aus dem Alten Testament sowie Zitate aus dem Neuen Testament sind den Solisten zugeordnet. Die grundsätzliche Verwendung eines neugefundenen Psalmtons, der mittelalterlichen Vorbildern nachempfunden ist, gibt der gesamten Musik bei allen zeitgenössischen Klängen ein archaisches Gepräge und spiegelt die mittelalterlichen Bildnisse so auch musikalisch wieder. Das großartige Chorwerk weckt beim Hörer sofortiges Verständnis auch ohne den Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten der Malereien im Kreuzgang Ratzeburgs und gehört zu den beeindruckendsten und kraftvollsten Vokalkompositionen Bethkes.


Pfingstmusik
op. 33/1979
Geistliches Oratorium für vier Soli, Chor, Orgel und Orchester, Auftragskomposition des NDR für einen Pfingst-Rundfunkgottesdienst aus dem Ratzeburger Dom, revidierte Fassung von 2010
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Die Pfingstmusik ist eine Auftragskomposition für den Norddeutschen Rundfunk anläßlich einer direkten Rundfunkübertragung des Pfingstgottesdienstes aus dem Ratzeburger Dom. Sie ist eine alle musikalischen Teile eines Gottesdienstes auskomponierende Musik für Soli, Chor, Orgel, Gemeindegesang und Orchester. Man könnte von einer musikalischen Messe sprechen, denn auch ohne die in einem liturgischen Ablauf erscheinenden Wortteile wie Predigt, Gebet, Segen, ist diese prachtvolle etwa halbstündige Pfingstmusik auch im Konzert als in sich abgerundete Chormusik aufführbar.
Bischof Dr. D. Hermann Kunst aus Bonn äußerte über die Uraufführung: „Hier weht tatsächlich noch der lebendige Geist der ersten Christenheit durch die Musik und das Feuer der ersten Pfingstgemeinde brennt ja in jedem Takt lichterloh. Daß diese packende Musik noch viele Menschen entzünde, kann ich nur hoffen! Schade, daß diese Kennzeichen, wie sie diese Pfingstmusik förmlich durchglühen, so oft der heutigen Kirche fehlen!“



Johannis-Vesper
op. 34/1980
Chormusik zum Johannistag für Soli, Chor, zwei Orgeln und Orchester (Gemeindegesang und Sprecher/Liturg ad lib.)
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Diese Johannis-Vesper sollte dem festlichen Charakter des bei der Kirche zu oft vernachlässigten Johannistages als musikalischer Beitrag zu neuem Glanz und neuer Bedeutung verhelfen. In der traditionellen Form einer Vesper mit ihren festen liturgischen Teilen mag sie – unter Einbeziehung eines Liturgen – einen eigenständigen Gottesdienst ausfüllen, wobei die Gemeinde bei zwei Johannis-Chorälen in die musikalische Exekutive einbezogen werden kann. Die Vesper mag aber mit großem Erfolg auch in einer konzertanten Abendmusik aufgeführt werden. Einer der musikalischen Höhepunkte ist der Sopransologesang „Tröstet mein Volk, spricht der Herr“, dem als Klangbett ein Chorsatz unterlegt ist, der sich am Schluß zu einer bezwingenden und mitreißenden Klangwelt verdichtet.


Michaelis-Messe
op. 35/1980
Chormusik zum Michaelistag für Soli, Chor, zwei Orgeln und Orchester (Gemeindegesang und Sprecher/Liturg ad lib.)
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Ähnlich wie bei der Johannis-Vesper ist auch die Michaelis-Messe dafür geschaffen worden, diesem kirchlichen Festtag wieder ein würdiges und angemessenes musikalisches Gepräge zu geben. Formal bedient es sich des Ordinariums einer Messe, textinhaltlich sind vor allem die vorgegebenen für diesen Tag bestimmten Lesungen und zwei Michaelistag-Choräle bestimmend. Das hier vertonte Vaterunser ist zu einem „Renner“ bei den Chören geworden, jedoch sind auch die anderen Chorsätze von einer großen Eindringlichkeit, wie man ganz allgemein bei Bethkes nach seinem späten Theologiestudium entstandenen Kompositionen immer mehr die enge Verquickung von musikalischer und theologischer Aussage zu einem überzeugenden Ganzen konstatieren kann.




Missa Solemnis Es-Dur „Königsberger Messe“

op. 55/1995
für vier Vokalsolisten, Chor, Orgel und großes Orchester nach Texten der traditionellen Liturgie, sowie Gedichten und Texten deutscher im ehemaligen Ostpreußen beheimateter Dichter (Johannes Bobrowski, Simon Dach, Ernst Wiechert, Max von Schenkendorf, Wolfgang Weyrauch, Johann Gottfried Herder und Agnes Miegel). Komponiert anläßlich der Renovierung des Königsberger Domes 1994/95
Direktor Grigorij Nazarowski und seiner Königsberger Philharmonie in treuer Freundschaft gewidmet
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Diese konzertante, nicht liturgisch gemeinte Messe verbindet den traditionellen Messtext mit älterer und zeitnaher Lyrik ostpreußischer Dichter, die jüngste Vergangenheit Ostpreußens einbindend. Altbekanntes bekommt einen verfremdeten, ungeahnten Sinn und die textlichen wie die musikalischen Rückkopplungen durch den Komponisten verschlagen dem Hörer oft den Atem.


Missa brevis
op. 91/2012
für Chor a cappella
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Dieses Werk stellt eine „Deutsche Messe“ dar, die sich auf tradierten Choral- und Liedmelodien aufbaut. Eine anspruchsvolle Chormusik a cappella.


Christus
op. 99/2014–2015
Geistliches Oratorium für Soli, Chor, Orgel, Celesta und Orchester nach Texten des apokryphen Thomasevangeliums
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Textgrundlage ist das apokryphe Thomasevangelium, welches erst im Jahre 1945 bei Nag Hammadi in Ägypten aufgefunden wurde, und welches nach übereinstimmender Meinung von Wissenschaftlern und Theologen die authentischsten und unver-fälschtesten Überlieferungen von Worten des historischen Jesus enthält. Man vermutet die Entstehungszeit um das Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus. An manchen Stellen werden zur Verdeutlichung und Bekräftigung des Inhalts die sinnentsprechenden Verse aus den später geschriebenen vier biblischen Evangelien ergänzt.
Von dem schlesischen Barockdichter Johannes Scheffler stammt das im Jahr 1668 geschriebene Lied „Mir nach, spricht Christus, unser Held“, mit der Melodie von Johann Hermann Schein (1628), nach älteren Vorlagen von Bartholomäus Gesius (1605), welches mit seinen einzelnen Strophen jedem musikalischen Satz des Oratoriums einen hymnischen Abschluß verleiht.


Lux Aeterna
op. 100/2017–2018
Geistliches Oratorium für Soli, Kinderchor, Chor, Orgel, Klavier, Cembalo und großes Orchester nach Worten der Heiligen Schrift und der Mystiker Meister Eckhard, Anselm von Canterbury, Jacob Böhme, Angelus Silesius, sowie zeitgenössischer und romantischer Lyrik
Memento homo, quia pulvis es, et in pulverum revertis
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Ausgehend von dem liturgischen Text zu Beginn der "Missa pro defunctis", dem sogenannten "Requiem", werden in der Folge der insgesamt 10 Sätze dieses Oratoriums Texte vertont, die das "Ewige Licht" zum Inhalt haben. Dabei wird herausgestellt, daß es nicht darum geht, auf das "Ewige Licht" im Jenseits zu warten, sondern darum, daß schon hier im irdischen Leben jeder Mensch das göttliche Licht und das Feuer des"Ewigen Lichts" in sich trägt, welches er durch sein Tun und Handeln, durch seine Lebensführung und durch seine Zuwendung zu den Menschen auf alle Leute ausstrahlen soll, denen er zu seinen Lebzeiten auf Erden begegnet.

Das ist ein Auftrag Jesu an die Christen, denn er hat nicht nur gesagt: "Ich bin das Licht der Welt", sondern ebenfalls "Ihr seid das Licht der Welt! Ohne Euch stehen viele im Dunkel." Diese zentralen Worte Jesu bilden – zusammen mit zwei weiteren Texten – auch die Mitte dieses Oratoriums (Satz 5). Umrahmt wird diese – symmetrisch nach beiden Seiten abfließend – von herb vertonten Texten barocker Mystiker, so von dem bedeutenden Görlitzer Jacob Böhme (Satz 4) und von dem nicht minder berühmten und ebenfalls schlesischen Angelus Silesius alias Johannes Scheffler (Satz 6).

Im Satz 7 wird in Form einer Liedpartita das in der pietistischen Hochromantik angesiedelte geistliche Volkslied "Brich herein, süßer Schein sel'ger Ewigkeit" vorgestellt, welches beispielhaft zeigt, daß in jedem Jahrhundert immer wieder das "Ewige Licht" von Dichtern thematisiert wurde. Hinführend auf dieses Gedicht, welches theologisch frei verwendet auf 2. Kor. 4 basiert, ist dem Lied der großartige Bibeltext vorangestellt aus Jesaja 8: "Das Volk, das da im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell!“


* Druck in Vorbereitung, nähere Informationen beim Komponisten oder beim Verlag Merseburger (www.merseburger.de)
** Das Aufführungsmaterial kann über den Komponisten bezogen werden


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