NEITHARD BETHKE                          WERKVERZEICHNIS - NBWV
  
 

KLEINE AUSZEIT - ZUM NEUEN JAHR

Ein Raum für Andacht, Geist und Seele


Winston Churchill - Anfangen


Ich werde Ihnen nun von einer persönlichen Erfahrung berichten. Als ich Ende Mai 1915 aus der Admiralität ausschied, blieb ich weiterhin Mitglied des Kabinetts und des Kriegsrates. In dieser Position wusste ich alles und konnte nichts tun. Der Wechsel von der intensiven leitenden Tätigkeit, die jeden Arbeitstag bei der Admiralität ausfüllte, zu den sehr überschaubaren Aufgaben eines Beraters ließ mich nach Luft schnappen. Wie einem Tiefseebewohner im Netz oder einem zu rasch emporgezogenen Taucher drohten mir infolge des abfallenden Drucks die Adern zu platzen. Ich war voller Unruhe und nichts half mir, sie zu lindern; ich hatte vehemente Überzeugungen und wenig Macht, sie durchzusetzen.

Ich mußte zusehen, wie große Chancen unglückselig vertan wurden und Pläne, die ich angestoßen hatte und von denen ich zutiefst überzeugt war, nur zögerlich umgesetzt wurden. Ich hatte lange Stunden gänzlich ungewohnter Muße, um über die schreckliche Entwicklung des Krieges nachzudenken. Zu einem Zeitpunkt, in dem jede Faser meines Wesens zu handeln verlangte, war ich gezwungen, die Tragödie als Zuschauer zu erleben, dem man grausamerweise einen Platz in der ersten Reihe zugewiesen hatte. Da aber kam mir die Muße der Malerei zu Hilfe – aus Barmherzigkeit und Edelmut, denn eigentlich hatte sie ja nichts mit mir zu tun –, und fragte: „Kannst du mit diesen Spielzeugen etwas anfangen? Manchen gefallen sie.“

Einige Experimente mit dem Malkasten der Kinder, an einem Sonntag auf dem Land, brachten mich dazu, mir am nächsten Morgen eine komplette Ausrüstung für die Ölmalerei zu besorgen.

Nachdem ich Farbtuben, eine Staffelei und eine Leinwand gekauft hatte, galt es nun den nächsten Schritt zu tun und anzufangen. Aber welch ein Schritt ist das! Auf der Palette glänzten Farbkügelchen; rein und weiß bot sich mir die Leinwand dar; der unbefleckte Pinsel verharrte schicksalsträchtig, aber unentschlossen in der Luft. Ein stummes Veto schien meiner Hand Einhalt zu gebieten.

Allerdings war der Himmel zu diesem Zeitpunkt unbestreitbar blau, ein blasses Blau zudem. Folglich stand außer Zweifel, dass blaue Farbe, mit Weiß angemischt, auf den oberen Teil der Leinwand aufzutragen war. Um das zu erkennen, braucht man in der Tat keine künstlerische Ausbildung. Das ist der Ausgangspunkt, der jedermann offensteht. Also mischte ich mit einem sehr schmalen Pinsel ein wenig blaue Farbe auf der Palette an und setzte dann mit unendlicher Vorsicht einen etwa bohnengroßen Tupfen auf die pikierte schneeweiße Fläche. Es war eine Herausforderung, eine wohlüberlegte Kampfansage, aber so zaghaft, halbherzig und in der Tat so verkrampft, dass sie keine Antwort verdiente.

In diesem Augenblick war das deutliche Geräusch eines Autos zu hören, das in die Zufahrt einbog. Ihm entstieg rasch und behände niemand anderes als die talentierte Frau von Sir John Lavery. „Sie malen! Aber was zögern Sie? Geben Sie mir einen Pinsel – den großen da.“ Schwupp in das Terpentin getunkt, jäh auf das Blau und Weiß eingedroschen, hektisches Gefuchtel auf der – nun nicht mehr sauberen - Palette und dann mehrere ausholende Hiebe und Watschen von Blau quer über die nun vollends eingeschüchterte Leinwand. Jeder konnte sehen, dass sie unfähig war, zurückzuschlagen. Kein grimmiges Schicksal rächte den kecken Überfall. Hilflos grinsend stand die Leinwand vor mir. Der Bann war gebrochen. Die ungesunden Hemmungen verflogen. Ich ergriff den breitesten Pinsel und fiel mit der Rage eines Berserkers über mein Opfer her. Seitem habe ich nie wieder vor einer Leinwand Scheu empfunden.

Aus W. Churchill, „Zum Zeitvertreib“ Vom Lesen und Malen.

Altes Jahr, du ruhst in Frieden

aus op. 69/2012, Neithard Bethke

20 schlichte Lieder durch das Jahr nach zeitgenössischen und überlieferten Texten für entweder eine Solostimme und Klavier/Orgel oder vierstimmigen Chor

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Klavier: O. Dribas



Altes Jahr, du ruhst in Frieden, deine Augen sind geschlossen. Bist von uns so still geschieden, hin zu himmlischen Genossen.

Und die neuen Jahre kommen, werden auch wie du vergehen. Bis wir alle aufgenommen uns im letzten wiedersehen.

Wenn dies letzte angefangen, deutet sich dies Neujahrgrüßen. Denn erkannt ist dies Verlangen, nach dem Wiedersehn und Küssen.


Einige Lieder aus dem "Jahrkreis" sind als Grußkarten erschienen. Hier gibt´s mehr dazu...